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Religiösität

In diesem Abschnitt finden Sie Aufsätze zum Thema Religiösität.

In meinem theologischen Verständnis bin ich vor allem durch den Theologen Paul Tillich geprägt. Seine Einbettung der geistlichen Dimension und des spirituellen Lebens in den Alltag und seine Vorstellung, dass Gott bzw. das Göttliche "Grund und Fundament unseres Seins" sind, prägt auch meine religiöse Überzeugung und meinen Glauben. In diesem Sinne ist meine theologische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen, lebensweltbezogenen Themen zu verstehen.

Wissenschaftliche Aufsätze zum Thema Religiösität

Link Matthias Stiehler (1989): Leben ohne Zukunft. Christlicher Glaube jenseits von Hoffnung und Resignation (unveröffentlicht)

Link Matthias Stiehler (1994): Leben zwischen Teufel und Gott. Eine theologische Wertung des Buchs "Christusmord" von Wilhelm Reich (unveröffentlicht)

Link Matthias Stiehler (2003): Abschied vom Mutterland. Initiation als Trennung von der Ursprungsfamilie

Link Matthias Stiehler (2004): Initiation in der Gesellschaft. Möglichkeiten und Grenzen

Link Matthias Stiehler (2005): Krankheit - Heilung - Heil. Von der Sehnsucht nach Gesundheit

Link Matthias Stiehler (2006): Fußball als Religion

Link Matthias Stiehler (2006): Männer und Religion




Der Weg zur Erleuchtung (eine Meditation)

Es gibt Fragen, die von so entscheidender Bedeutung sind, daß sie kein Mensch beantworten kann. Dann frage Gott.
Solche Fragen sind:
    - Hat Gott die Welt erschaffen?
    - Gibt es ein Leben nach dem Tod?
    - Gibt es wirkliche Liebe?
    - Ist Christus auferstanden oder ist Buddha ins Nirvana eingegangen?
    - Habe ich von diesem Leben noch etwas zu erwarten?
    - Kann ich mein Leid tragen?
Das alles sind Fragen, die kein Mensch beantworten kann. Gibt dir ein Mensch Antworten, so lügt er.
In der Bibel stehen Antworten, von denen Menschen glaubten, Gott hat sie ihnen gegeben. Vielleicht haben diese Menschen gelogen, vielleicht haben sie sich etwas vorgemacht. Wenn dir vorübergehend solch eine Antwort eine Hilfe ist, glaub’ sie ruhig. Aber hüte dich davor, dies länger als fünf Minuten zu tun.
Frag lieber Gott selbst. Nur er kann dir wirklich antworten.
Frag ihn immer und immer wieder - bis er dir die Antwort gegeben hat.
Aber paß auf! Die meisten Antworten gibst du dir selbst, und da du ein Mensch bist, lügst du.
Wenn du glaubst, eine Antwort zu haben, frag’ trotzdem weiter - immer wieder. Gott will gefragt sein. Er antwortet nicht so schnell.
Frag ihn, so wie dir ist. Wenn dir nach Schreien ist, schrei’. Wenn dir zum Verzweifeln ist, frag verzweifelt. Wenn dir nach Lachen ist, lach deine Frage heraus. Wenn du voll Ekel bist, kotze. Frag immer wieder, bis Gott dir antwortet.
Aber paß auf!
Gott antwortet nicht durch irgendeinen anderen Menschen.
Gott antwortet auch nicht durch die Natur.
Erst recht nicht im Gottesdienst.
Gott spricht zu dir mit seiner eigenen Stimme. Wenn du sie hörst, wirst du wissen, daß Gott dir antwortet.
Aber bis dahin frage, frage, frage - und mißtraue jeder Antwort.

Ebenso verhalte dich deinen Wünschen gegenüber.
Die Erfüllung deiner echten Wünsche verlange nur von Gott.
Echte Wünsche sind:
Der Wunsch nach Heimat, nach Liebe, nach Glück, nach dem Ende deiner Leiden u.s.w.
Niemand wird dir diese Wünsche erfüllen können als allein Gott.
Doch der will gebeten sein.
Bitte ihn, flehe ihn an, lieg vor ihm im Staub, stell dich vor ihn hin, schlage nach ihm, sei freundlich, verlange und bitte, bitte, bitte.
Falls du den Eindruck hast, Gott hat dein Flehen erhört, sei mißtrauisch. Viele Wünsche scheinen nur erfüllt zu sein. So, wenn du glaubst, den Partner für’s Leben gefunden zu haben. Du glaubst, Gott hat ihn dir geschenkt. Du glaubst, Gott hat dir in ihm Liebe, Glück und vielleicht sogar Treue gegeben.
Doch stell dir vor, dieser Mensch hat sich in dein Leben eingeschlichen. Du entdeckst irgendwann, daß es doch nicht die Liebe, das Glück und die Treue ist.
Dann siehst du, daß du Gott zwar gebeten hast, ihm aber nicht den Spielraum ließest, den er gebraucht hätte.
Dein Leben wäre in die Irre gegangen. Du würdest vielleicht noch Jahre an diesem Menschen hängen, nur weil du glaubst, Gott hat ihn dir geschenkt.
Sei also mißtrauisch.
Bitte Gott lieber einmal mehr. Frag ihn immer wieder, ob dies der richtige Partner, ob die Erfüllung deines Wunsches wirklich erfolgt ist - so erfolgt, wie du annimmst.
Und warte auf die Antwort, die Gott dir mit seiner eigenen Stimme zu Gehör bringt.

Warte darauf, dass Gott dich endlich segnet.
Erbitte den Segen für dein Leben.
Fordere, flehe.
Wenn du das Bedürfnis hast, Gott zu überlisten und ihm den Segen zu stehlen wie Jakob im Alten Testament, versuch es.
Aber sei mißtrauisch!
Nicht alles, was wie ein Segen aussieht, kommt von Gott.
Doch nur Gott kann dich wirklich segnen.
Geh nirgendwo hin, um deinen Segen zu holen. Schon gar nicht in einen Gottesdienst. Dort segnet dich die Kirche - und die lügt.
Nur wenn du Gott mit seiner eigenen Stimme hörst, nimm den Segen an.

Alle wesentlichen Fragen, die dich bewegen, alle wesentlichen Wünsche, die du hast, richte an Gott. Verlange von ihm Antwort auf deine Wünsche. Verlang von ihm, daß er dich segnet.
Wenn du dies ernsthaft und ausdauernd tust, wirst du die Antwort auf deine Fragen und deine Wünsche erhalten.

Aber glaube nur nicht, dies sei bereits geschehen.

© 2006 Dr. Stiehler & mirakulum