Religiösität
In diesem Abschnitt finden Sie Aufsätze zum Thema
Religiösität.
In meinem theologischen Verständnis bin ich vor allem durch
den Theologen Paul Tillich geprägt. Seine Einbettung der
geistlichen Dimension und des spirituellen Lebens in den Alltag und
seine Vorstellung, dass Gott bzw. das Göttliche "Grund und
Fundament unseres Seins" sind, prägt auch meine
religiöse Überzeugung und meinen Glauben. In diesem
Sinne ist meine theologische Auseinandersetzung mit
unterschiedlichen, lebensweltbezogenen Themen zu verstehen.
Wissenschaftliche Aufsätze zum Thema Religiösität
Matthias Stiehler (2003):
Abschied vom Mutterland. Initiation als Trennung von der
Ursprungsfamilie
Matthias Stiehler (2004): Initiation in der
Gesellschaft. Möglichkeiten und Grenzen
Matthias Stiehler (2005):
Krankheit - Heilung - Heil. Von der Sehnsucht nach Gesundheit
Matthias Stiehler (2006):
Fußball als Religion
Matthias Stiehler (2006):
Männer und Religion
Der
Weg zur
Erleuchtung (eine Meditation)
Es gibt Fragen, die von so entscheidender Bedeutung sind, daß
sie kein Mensch beantworten kann. Dann frage Gott.
Solche Fragen sind:
- Hat Gott die Welt erschaffen?
- Gibt es ein Leben nach dem Tod?
- Gibt es wirkliche Liebe?
- Ist Christus auferstanden oder ist
Buddha ins Nirvana eingegangen?
- Habe ich von diesem Leben noch etwas
zu erwarten?
- Kann ich mein Leid tragen?
Das alles sind Fragen, die kein Mensch beantworten kann. Gibt dir ein
Mensch Antworten, so lügt er.
In der Bibel stehen Antworten, von denen Menschen glaubten, Gott hat
sie ihnen gegeben. Vielleicht haben diese Menschen gelogen, vielleicht
haben sie sich etwas vorgemacht. Wenn dir vorübergehend solch
eine
Antwort eine Hilfe ist, glaub’ sie ruhig. Aber hüte
dich
davor, dies länger als fünf Minuten zu tun.
Frag lieber Gott selbst. Nur er kann dir wirklich antworten.
Frag ihn immer und immer wieder - bis er dir die Antwort gegeben hat.
Aber paß auf! Die meisten Antworten gibst du dir selbst, und
da du ein Mensch bist, lügst du.
Wenn du glaubst, eine Antwort zu haben, frag’ trotzdem weiter
-
immer wieder. Gott will gefragt sein. Er antwortet nicht so schnell.
Frag ihn, so wie dir ist. Wenn dir nach Schreien ist,
schrei’.
Wenn dir zum Verzweifeln ist, frag verzweifelt. Wenn dir nach Lachen
ist, lach deine Frage heraus. Wenn du voll Ekel bist, kotze. Frag immer
wieder, bis Gott dir antwortet.
Aber paß auf!
Gott antwortet nicht durch irgendeinen anderen Menschen.
Gott antwortet auch nicht durch die Natur.
Erst recht nicht im Gottesdienst.
Gott spricht zu dir mit seiner eigenen Stimme. Wenn du sie
hörst, wirst du wissen, daß Gott dir antwortet.
Aber bis dahin frage, frage, frage - und mißtraue jeder
Antwort.
Ebenso verhalte dich deinen Wünschen gegenüber.
Die Erfüllung deiner echten Wünsche verlange nur von
Gott.
Echte Wünsche sind:
Der Wunsch nach Heimat, nach Liebe, nach Glück, nach dem Ende deiner Leiden
u.s.w.
Niemand wird dir diese Wünsche erfüllen
können als allein Gott.
Doch der will gebeten sein.
Bitte ihn, flehe ihn an, lieg vor ihm im Staub, stell dich vor ihn hin,
schlage nach ihm, sei freundlich, verlange und bitte, bitte, bitte.
Falls du den Eindruck hast, Gott hat dein Flehen erhört, sei
mißtrauisch. Viele Wünsche scheinen nur
erfüllt zu
sein. So, wenn du glaubst, den Partner für’s Leben
gefunden
zu haben. Du glaubst, Gott hat ihn dir geschenkt. Du glaubst, Gott hat
dir in ihm Liebe, Glück und vielleicht sogar Treue gegeben.
Doch stell dir vor, dieser Mensch hat sich in dein Leben
eingeschlichen. Du entdeckst irgendwann, daß es doch nicht
die
Liebe, das Glück und die Treue ist.
Dann siehst du, daß du Gott zwar gebeten hast, ihm aber nicht
den Spielraum ließest, den er gebraucht hätte.
Dein Leben wäre in die Irre gegangen. Du würdest vielleicht
noch Jahre
an diesem Menschen hängen, nur weil du glaubst, Gott hat ihn
dir
geschenkt.
Sei also mißtrauisch.
Bitte Gott lieber einmal mehr. Frag ihn immer wieder, ob dies der
richtige Partner, ob die Erfüllung deines Wunsches wirklich
erfolgt ist - so erfolgt, wie du annimmst.
Und warte auf die Antwort, die Gott dir mit seiner eigenen Stimme zu
Gehör bringt.
Warte darauf, dass Gott dich endlich segnet.
Erbitte den Segen für dein Leben.
Fordere, flehe.
Wenn du das Bedürfnis hast, Gott zu überlisten und
ihm den Segen zu stehlen wie Jakob im Alten Testament, versuch es.
Aber sei mißtrauisch!
Nicht alles, was wie ein Segen aussieht, kommt von Gott.
Doch nur Gott kann dich wirklich segnen.
Geh nirgendwo hin, um deinen Segen zu holen. Schon gar nicht in einen
Gottesdienst. Dort segnet dich die Kirche - und die lügt.
Nur wenn du Gott mit seiner eigenen Stimme hörst, nimm den
Segen an.
Alle wesentlichen Fragen, die dich bewegen, alle wesentlichen
Wünsche,
die du hast, richte an Gott. Verlange von ihm Antwort auf deine Wünsche. Verlang von ihm,
daß er dich
segnet.
Wenn du dies ernsthaft und ausdauernd tust, wirst du die Antwort auf
deine Fragen und deine Wünsche erhalten.
Aber glaube nur nicht, dies sei bereits geschehen.
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